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Guter Pitch - wenig Putts



:: Präzise auf`s Grün - mit Backspin

Oliver Heuler, Golflehrer in der Golfschule  GC Fleesensee erklärt das Phänomen des Backspin:

Manchmal ist es notwendig, den Ball nach der Landung auf dem Grün schnell stoppen zu lassen. Vor einer solche Situation steht jeder Golfer, wenn zum Beispiel vor dem Grün ein Bunker angeordnet ist und die Fahne nur wenige Meter dahinter steckt. Nun ist ein Ball mit Backspin  (Rückwärtsdrall) gefordert. 

Oliver Heuler: Backspin / Pitch

Die am häufigsten gestellte Frage im Zusammenhang mit Backspin lautet: Wie erzeugt man so viel Rückwärtsdrall, dass der Ball auf dem Grün zurückkommt – so wie im Fernsehen?

Hier spielen fünf Faktoren eine Rolle:

1. Loft
Je größer der Loft des verwendeten Schlägers ist, desto stärker wird der Backspin sein. Hohe Handicapper verwenden zum Pitchen oft den Pitching-Wedge, weil sie außerhalb von Bunkern unerklärbare Vorbehalte gegenüber ihrem Sand-Wedge haben. Das vermindert den Rückwärtsdrall. Wer ihn partout maximieren will, kann auch einen Lob-Wedge verwenden.

2. Schlägerkopfgeschwindigkeit
Bei einem gegebenen Schläger hängt der Rückwärtsdrall hauptsächlich von der Schlägerkopfgeschwindigkeit ab. Wenn Tiger Woods seinen Wedge 140 Meter durch die Luft schlägt, entsteht dabei mehr Drall als beim Wochenend-Golfer, der es vielleicht auf 90 Meter bringt.

3. Eintreffwinkel
Je steiler der Eintreffwinkel ist, desto größer wird der Rückwärtsdrall. Ein steiler Eintreffwinkel erzeugt aber nur dann mehr Drall, wenn der Loft unverändert bleibt. Wer also einen steilen Eintreffwinkel erzeugt, indem er die Hände mehr vor den Ball bringt, erhält nicht mehr Backspin, weil er gleichzeitig den Loft reduziert. Eine Schwungbahn von außen nach innen lässt den Eintreffwinkel steiler werden, ohne den Loft zu reduzieren. Um das Starten des Balles nach links auszugleichen, kann man nach rechts zielen oder die Schlagfläche öffnen, letzteres würde zusätzlich den effektiven Loft vergrößern. Bei längeren Schlägen entsteht dabei allerdings eine Flugkurve von links nach rechts. Der Eintreffwinkel lässt sich auch erhöhen, wenn sich das Griff-Ende durch den Ball hindurch nach unten bewegt. Dazu muss der Golfer allerdings nach dem Treffmoment den Knie- oder Hüftwinkel vergrößern, d.h. kleiner werden. Da dies den Schwung noch komplizierter macht, ist davon eher abzuraten.
Ein steilerer Eintreffwinkel entsteht auch, wenn sich der Winkel zwischen Schläger und Armen spät auflöst, man also spät schlägt.

4. Reibung
Wie wichtig Reibung ist, lässt sich gut beim Billard erkennen, wenn man versucht, dem Spielball Schnitt zu verleihen, ohne Kreide auf dem Queue: Das Queue rutscht ab und es entsteht kaum Drall.

Der Hobbygolfer reduziert die Reibung, weil bei ihm zuviel Gras zwischen Ball und Schläger kommt. Da geht es ihm wie einem Tourspieler, der aus dem Rough schlägt. Für diesen Mangel an Reibung ist jedoch nicht immer das schlechte Treffen des Amateurs verantwortlich. Er muss in der Regel auch auf Fairways spielen, die fast genauso wenig herunter geschnitten werden wie die Semi-Roughs auf der amerikanischen Tour.
Die Reibung wird auch umso geringer, je härter die Schale des Balles ist. Der Two-Piece-Ball des Amateurs wird daher erheblich weniger Drall annehmen als der Balata-Ball des Tourspielers. Die Rillen auf der Schlagfläche haben auch einen Einfluss auf die Reibung; sie werden daher stark reglementiert.
Extrem hoch wird die Reibung bei längeren Schlägen aus Grünbunkern: Hier dringt der Schläger vor dem Ball in den Sand ein – aber nicht so weit vorher wie bei einem kurzen Schlag aus einem Grünbunker. Ein wenig Sand zwischen Schläger und Ball verstärkt die Reibung, zuviel Sand reduziert den Rückwärtsdrall jedoch eher. Außerdem wird der Schläger bei einem 40-Meter-Bunkerschlag viel mehr beschleunigt als bei einem Schlag vom Fairway aus der gleichen Entfernung.

Erstaunlich viel Rückwärtsdrall entsteht auch bei manchen dünn getroffenen Bällen, bei denen sich die untere Kante des Schlägerblattes in den Ball „gräbt“. Je weniger Fläche der Punkt aufweist, der mit dem Ball Kontakt hat, desto mehr Drall wird entstehen, da der Druck bei gleich bleibender Kraft mit abnehmender Fläche zunimmt. Beim Billard wird dieser Effekt auch deutlich, da ein Queue mit dünner Spitze (Karambolage, Snooker) dem Spielball deutlich mehr Drall verleihen kann als eines mit dickerer Spitze (Pool-Billard).

5. Grünqualität
Damit der Ball gut hält, darf das Grün nicht zu hart oder zu weich sein. Eine hohe Grüngeschwindigkeit ist auch hilfreich, wenn der Ball weit zurückkommen soll. Die idealen Bedingungen, die die Tourspieler jede Woche vorfinden, lassen sich jedoch auf einem Platz immer nur sehr kurz verwirklichen.






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